Diamant: Cut - Schliff

Von Peter Isler, Gemmologe FGG / European Gemmologist

Übersicht

Schliff als Begriff der Edelsteinkunde

In der Edelsteinkunde beschreibt der Schliff

  • die Proportionen von geschliffenen Edelsteinen, das heisst deren Grössenverhältnisse und Winkel.
  • und den Finish von geschliffenen Edelsteinen, das heisst deren Symmetrie und Politurgüte.

Wir gehen bei der Vorstellung des runden Brillantschliffs näher auf die Proportionen und den Finish ein.

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Schliff im weiteren Sinn

Der Begriff Schliff ist - nicht im eng gefassten edelsteinkundlichen, sondern im weiter gefassten Sinn - der Überbegriff für die

  • Schlifform (englische Entsprechung „shape“)
    Die Schlifform bezeichnet die Querschnittsform eines geschliffenen Steines: rund, oval, achteckig, tropfenförmig, navettenförmig etc.
  • Schliffart (englische Entsprechung „cutting style“)
    Bei der Schliffart kann man unterscheiden zwischen Glattschliff, Brillantschliff, Treppenschliff, gemischtem Schliff (einer Kombination aus Treppen- und Brillantschliff)
    • Der Glattschliff ist eine Schliffart mit gewölbter Oberfläche und ebener oder leicht gewölbter Unterseite (ein Beispiel dafür ist der Cabochon).
    • Der Brillantschliff ist die häufigste Schliffart und weist drei-, vier und mehreckige Facetten auf, welche strahlenförmig um den Stein angeordnet sind.
    • Der Treppenschliff ist eine Schliffart mit länglichen, vierseitigen, parallel zur Rundiste angeordneten Facetten.
    • Der gemischte Schliff ist eine Schliffart, die sowohl Brillantschliff- als auch Treppenschliff-Facetten aufweist.

Oft werden die Schlifform und die Schliffart im Handel zu einem Begriff zusammengefasst:

  • Als „Smaragdschliff“ wird zum Beispiel ein achteckiger Treppenschliff bezeichnet, der sehr häufig bei Smaragden angewendet wird
  • Als „Standardbrillant“ wird zum Beispiel ein runder Brillantschliff bezeichnet, dessen Anzahl und Anordung der Facetten zusätzlich noch genau definiert ist: total 57 Facetten (mit Kalette 58); davon 32 Facetten und die Tafel oberhalb der Rundiste (d.h. am Oberteil 8 Hauptfacetten, 16 Rundistfacetten, 8 Tafelfacetten, 1 Tafel) und 24 Facetten sowie die Kalette unterhalb der Rundiste (d.h. am Unterteil 8 Hauptfacetten, 16 Rundistfacetten, 1 Kalette). Der Standardbrillant wird im Handel auf Englisch als „full cut“ bezeichnet
  • „Als „single cut“ wird ein runder Brillantschliff mit 18 Facetten bezeichnet
  • Als „old mine cut“ wird ein runder Brillantschliff mit 58 Facetten, d.h. wie beim Standardbrillanten, bezeichnet, der jedoch im Gegensatz zum „Standardbrillanten“ ein hohes Oberteil, eine kleine Tafel und eine grosse Kalette aufweist
  • Der „old European cut“ schliesslich ist das Gleiche wie der „old mine cut“, weist jedoch keine runde, sondern quadrisch-antike Schliffform auf

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Der runde Brillantschliff

Wir fokussieren uns im Folgenden auf den runden Brillantschliff - die populärste Art und Weise, in welcher Diamanten geschliffen werden.

Die glatten, polierten Oberflächen oder Ebenen eines Diamanten, welche beim Schleifen zu einem Diamanten im Brillantschliff - kurz einem Brillanten - angelegt werden, heissen Facetten. Beim Brillanten werden folgende Bezeichnungen verwendet:

Der Brillant und seine Facetten

Der runde Brillant: Ansicht des Oberteiles, seitliche Ansicht und Ansicht des Unterteiles mit den Bezeichnungen der verschiedenen Elemente.

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Die Proportionen des Brillanten

Die wichtigsten Proportionen des runden Brillanten sind der Rundistdurchmesser, die Tafelgrösse, die Oberteilhöhe und der Oberteilwinkel, die Unterteilhöhe und der Unterteilwinkel, die Stärke der Rundiste und die Grösse der Kalette.

Die Proportionen können wie folgt eingeteilt werden:

Proportionen mit dem Prädikat sehr gut gmäss Vorschlag IDC 1978

Die Qualität der Proportionen mit dem Prädikat „sehr gut" (gemäss Vorschlag IDC - 1978)

Die Kriterien Tafelgrösse und die Oberteilhöhe sollen gegenläufig sein, d.h. einer grösseren Tafel soll eine kleinere Oberteilhöhe zugeordnet sein und umgekehrt (beispielsweise soll für sehr gute Proportionen einer Tafelgrösse von 66% eine Oberteilhöhe von 11% zugeordnet sein bzw. einer Tafelgrösse von 56% eine Oberteilhöhe von 15%).

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Der Finish des Brillanten

Der Finish umfasst die Symmetrie und die Politurgüte des Brillanten.

Bei der Symmetrie werden die Form, die Platzierung und Anordnung der verschiedenen Facetten beurteilt. Symmetriemerkmale sind das Resultat schlechten oder unsorgfältigen Schleifens und umfassen beispielsweise

  • eine Abweichung von der Kreisform der Aussenlinie
  • eine exzentrische Tafel oder Kalette
  • eine unsymmetrische Tafel
  • ungleichwertige Facetten
  • und vieles mehr

Die Politurgüte beschreibt den Zustand der Steinoberfläche.

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Die Bedeutung der Proportionen und des Finish

Die Proportionen und der Finish sind für die optische Erscheinung des Brillanten von grosser Bedeutung. Weist ein Brillant ideale Proportionen und einen sehr guten Finish auf - das heisst sehr gute Symmetrie und Politurgüte - wird das Optimum an Brillanz, Feuer und Bewegungsbrillanz erreicht. Lesen Sie hier, was die Begriffe Brillanz, Feuer und Bewegungsbrillanz bedeuten.

Die verschiedenen Kriterien des Schliffs sind wichtig – ebenso wichtig ist es letztendlich aber auch, ob Sie sich vom Schliff angesprochen fühlen. Ob ein Schliff gefällt ist immer auch eine Frage des persönlichen Geschmackes und nicht nur von Zahlen abhängig.

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Die optischen Eigenschaften des Diamanten

Die überragenden optischen Eigenschaften des Diamanten sind besonders seine hohe Lichtbrechung und seine Farbzerstreuung. Diese Eigenschaften kommen erst richtig zur Geltung, wenn der Damant geschliffen wird.

Damit der Brillantschliff optimal ist, muss er so angelegt werden, dass möglichst viel Licht vom Diamanten in das Auge des Betrachters zurückgeworfen wird. Nicht gegeben ist dies,

  • wenn der Brillant zu tief geschliffen ist (der Brillant hat dann oft im Zentrum ein dunkles Aussehen)
  • wenn der Brillant zu flach geschliffen ist (der Brillant hat dann oft ein lebloses, gläsernes Aussehen, welches als „Fischauge“ bezeichnet wird).

In beiden Fällen wird das in den Brillanten eindringende Licht in diesem nicht vollständig an den inneren Begrenzungsflächen im Unterteil gespiegelt, um dann wieder durch das Oberteil zum Betrachter hin zurückgeworfen zu werden. Viel mehr tritt ein Teil des Lichtes durch das Unterteil des Brillanten aus und geht so für den Betrachter verloren.

Lichtgang durch unterschiedlich proportionierte Brillanten

Lichtgang bei unterschiedlich proportionierten Brillanten

Das zum Auge des Betrachters zurückgeworfene Licht wird in die unten beschriebenen Erscheingsformen (Brillanz, Feuer, Bewegungsbrillanz) unterteilt. Diese Erscheinungsformen des Lichtes sind sehr erwünscht, weil sie ganz wesentlich zur Schönheit des Brillanten beitragen.

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Die Brillanz

Die Brillanz ist die gesamte Menge des weissen Lichtes, welche von der Oberfläche des Brillanten zum Auge des Betrachters zurückgeht. Dieses stammt einerseits von direkt an der Oberfläche gespiegeltem d.h. reflektiertem Licht (als externe Reflexion oder als Glanz bezeichnet). Andererseits stammt es vom Licht, welches von oben in den Diamanten eindringt, im Steininnern in dessen Unterteil mehrfach gespiegelt wird und schlussendlich den Stein oben wieder verlässt (als interne Reflexion bezeichnet).

Bedingung ist dabei allerdings, dass das Licht bei seinem Austritt die Richtung nicht ändert, d.h. nicht gebrochen wird, weil es bei einer Brechung noch in seine einzelne Farbbestandteile zerlegt würde (dieses Phänomen heisst Dispersion und wird bei der Beschreibung des Feuers näher erklärt). Keine Richtungsänderung beim Übergang vom Diamantinnern in die Umgebung findet immer dann statt, wenn das Licht senkrecht auf die Grenzfläche trifft. Diese Voraussetzung ist in besonderem Masse im Bereich der Tafel gegeben. Die Grösse der Tafel beeinflusst deshalb die Brillanz.

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Das Feuer

Feuer ist die gesamte Menge von farbigem Licht, welche von der Oberfläche des Brillanten zum Auge des Betrachters zurückgeht. Verantwortlich dafür ist die sogenannte Dispersion. Darunter wird die Auffächerung des weissen Lichtes in seine einzelnen „Regenbogen“-Farben (d.h. spektralen Bestandteile) verstanden, welche immer dann stattfindet, wenn das weisse Licht von seiner Ausbreitungsrichtung abgelenkt, d.h. gebrochen wird. Bei der Brechung werden die unterschiedlichen Wellenlängen des ursprünglich weissen Lichtes nämlich alle etwas unterschiedlich gebrochen, d.h. abgelenkt. Die Voraussetzung der Brechung beim Übergang des Lichts aus dem Steininnern in die Umgebung ist vor allem im Bereich des Facettenkranzes um die Tafel gegeben (Tafelfacetten, Oberteilhauptfacetten und obere Rundistfacetten).

Ein Brillant kann nicht sowohl maximale Brillanz wie auch maximales Feuer aufweisen. Vielmehr stellt ein idealer geschliffener Brillant das Optimum sowohl an Brillanz als auch an Feuer dar. Grössere Tafeln steigern die Brillanz, mindern gleichzeitig aber das Feuer. Kleinere Tafeln steigern das Feuer, mindern gleichzeitig aber die Brillanz (vergleiche beispielsweise den „old mine cut“ und „old European cut“, welche beide hohe Oberteile mit kleinen Tafeln aufweisen).

Feuer und Brillanz in Abhängigkeit der Proportionen

Abhängigkeit der Brillanz und des Feuers von der Tafelgrösse und den anderen Facetten des Oberteiles.

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Die Bewegungsbrillanz (Szintillation)

Unter Bewegungsbrillanz wird die Bewegung von sowohl weissem als auch farbigem Licht verstanden, das vom Diamanten ausgeht, wenn der Diamant vor dem Beobachter bewegt wird, bzw. die Lichtquelle bewegt wird oder sich der Beobachter selber bewegt.

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- S.E.&O. -

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