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Diamant Cut

Cut - Schliff

Von Peter Isler

Gemmologe FGG / European Gemmologist

1. Schliff als Begriff der Edelsteinkunde

In der Edelsteinkunde beschreibt der Schliff die Proportionen (Grössenverhältnisse und Winkel) und den Finish. Der Finish wird weiter unterteilt in die Symmetrie und die Politurgüte von geschliffenen Diamanten.

Wir fokussieren uns hier ausschliesslich auf die populärste Art und Weise, in welcher der Diamant geschliffen wird, nämlich den runden Brillanten.

1.1 Proportionen

1.1.1 Der runde Brillant im Überblick

Die glatten, polierten Oberflächen oder Ebenen eines Diamanten, welche beim Schleifen zum Brillanten angelegt werden, heissen Facetten.

Die wichtigsten Proportionen des runden Brillanten sind der Rundistdurchmesser, die Tafelgrösse, die Oberteilhöhe und der Oberteilwinkel, die Unterteilhöhe und der Unterteilwinkel, die Stärke der Rundiste und die Grösse der Kalette.

Der Brillant und seine Facetten

Abbildung 1
Runder Brillant:
Ansicht des Oberteiles, seitliche Ansicht und Ansicht des Unterteiles
mit den Bezeichnungen der verschiedenen Elemente.

1.1.2 Optische und physikalische Eigenschaften des Diamanten

Die überragenden optischen und pysikalischen Eigenschaften des Diamanten kommen voll zur Geltung, wenn der runde Brillant derat geschliffen ist, das ganz bestimmte Kriterien erfüllt sind.

Der Schliff muss so angelegt sein, dass dadurch möglichst viel Licht vom Diamanten in das Auge des Betrachters zurückgeworfen wird. Nicht gegeben ist dies, wenn der Brillant zu tief geschliffen ist (der Brillant hat dann oft im Zentrum ein dunkles Aussehen) oder aber zu flach geschliffen ist (der Brillant hat dann oft ein lebloses, gläsernes Aussehen, welches als „Fischauge“ bezeichnet wird).

In beiden Fällen wird das in den Brillanten eindringende Licht in diesem nicht vollständig an den inneren Begrenzungsflächen im Unterteil gespiegelt, um dann wieder durch das Oberteil zum Betrachter hin zurückgeworfen zu werden. Viel mehr geht Licht verloren, indem es durch den Untereil des Brillanten austritt und daher den Betrachter nie erreichen kann.

Lichtgang durch unterschiedlich proportionierte Brillanten

Abbildung 2
Lichtgang bei unterschiedlich proportionierten Brillanten

Die Lichtmenge, welche vom Diamant zum Auge des Betrachters zurückgeworfen wird, soll (wie bereits erwähnt) möglichst gross sein. Das dabei zurückgeworfene Licht wird in die unten beschriebenen Erscheingsformen unterteilt. Diese Erscheinungsformen des Lichtes sind sehr erwünscht, weil sie ganz wesentlich zur Schönheit des Brillanten beitragen.

Brillanz

Die Brillanz ist die gesamte Menge des weissen Lichtes, welche von der Oberfläche des Brillanten zum Auge des Betrachters zurückgeht. Dieses stammt einerseits von direkt an der Oberfläche gespiegeltem d.h. reflektiertem Licht (als externe Reflexion oder als Glanz bezeichnet). Andererseits stammt es vom Licht, welches von oben in den Diamanten eindringt, im Steininnern in dessen Unterteil mehrfach gespiegelt wird und schlussendlich den Stein oben wieder verlässt (als interne Reflexion bezeichnet).

Bedingung ist dabei allerdings, dass das Licht bei seinem Austritt die Richtung nicht ändert, d.h. nicht gebrochen wird, weil es bei einer Brechung noch in seine einzelne Farbbestandteile zerlegt würde (dieses Phänomen heisst Dispersion und wird bei der Beschreibung des Feuers näher erklärt). Keine Richtungsänderung beim Übergang vom Diamantinnern in die Umgebung findet immer dann statt, wenn das Licht senkrecht auf die Grenzfläche trifft. Diese Voraussetzung ist in besonderem Masse im Bereich der Tafel gegeben. Die Grösse der Tafel beeinflusst deshalb die Brillanz.

Feuer

Feuer ist die gesamte Menge von farbigem Licht, welche von der Oberfläche des Brillanten zum Auge des Betrachters zurückgeht. Verantwortlich dafür ist die sogenannte Dispersion. Darunter wird die Auffächerung des weissen Lichtes in seine einzelnen „Regenbogen“-Farben (d.h. spektralen Bestandteile) verstanden, welche immer dann stattfindet, wenn das weisse Licht von seiner Ausbreitungsrichtung abgelenkt, d.h. gebrochen wird. Bei der Brechung werden die unterschiedlichen Wellenlängen des ursprünglich weissen Lichtes nämlich alle etwas unterschiedlich gebrochen, d.h. abgelenkt. Die Voraussetzung der Brechung beim Übergang des Lichts aus dem Steininnern in die Umgebung ist vor allem im Bereich des Facettenkranzes um die Tafel gegeben (Tafelfacetten, Oberteilhauptfacetten und obere Rundistfacetten).

Ein Brillant kann nicht sowohl maximale Brillanz wie auch maximales Feuer aufweisen. Vielmehr stellt ein idealer geschliffener Brillant das Optimum sowohl an Brillanz als auch an Feuer dar. Grössere Tafeln steigern die Brillanz, mindern gleichzeitig aber das Feuer. Kleinere Tafeln steigern das Feuer, mindern gleichzeitig aber die Brillanz (vergleiche beispielsweise den „old mine cut“ und „old European cut“, welche beide hohe Oberteile mit kleinen Tafeln aufweisen).

Feuer und Brillanz in Abhängigkeit der Proportionen

Abbildung 3
Abhängigkeit der Brillanz und des Feuers von der Tafelgrösse und den anderen Facetten des Oberteiles.

Bewegungsbrillanz (Szintillation)

Unter Bewegungsbrillanz wird die Bewegung von sowohl weissem als auch farbigem Licht verstanden, das vom Diamanten ausgeht, wenn der Diamant vor dem Beobachter bewegt wird, bzw. die Lichtquelle bewegt wird oder sich der Beobachter selber bewegt.

1.1.3 Einteilung der Proportionen

Die Proportionen können in Anlehnung an den Vorschlag des International Diamond Council von 1978 (IDC-Regeln) wie folgt eingeteilt werden:

Proportionen
  mittel -> gering gut sehr gut gut mittel -> gering
Tafelgrösse <53% 53 - 55% 56 - 66% 67 - 70% >70%
Oberteilhöhe <9% 9 - 10% 11 - 15% 16 - 17% >17%
Unterteilhöhe <40% 40 - 41% 42 - 45% 46 - 47% >47%
Oberteilwinkel <27° 27 - 30° 31 - 37° 38 - 40° >40°
Unterteilwinkel <38° 38 - 39° 40 - 42° 43 - 44° >44°
Rundiststärke messerscharf sehr fein fein - mittel stark sehr stark
Kalette gross klein - mittel punktartig klein - mittel gross

Tabelle 1
Qualität der Proportionen (Prädikate „sehr gut“, „gut“ und „mittel“ bis „gering) in Anlehnung an den Vorschlag des International Diamond Council (IDC-Regeln)von 1978

Proportionen mit dem Prädikat sehr gut gmäss Vorschlag IDC 1978

Abbildung 4
Die Qualität der Proportionen mit dem Prädikat „sehr gut" (gemäss Vorschlag IDC - 1978)

Die Kriterien Tafelgrösse und die Oberteilhöhe sollen gegenläufig sein, d.h. einer grösseren Tafel soll eine kleinere Oberteilhöhe zugeordnet sein und umgekehrt (beispielsweise soll für sehr gute Proportionen einer Tafelgrösse von 66% eine Oberteilhöhe von 11% zugeordnet sein bzw. einer Tafelgrösse von 56% eine Oberteilhöhe von 15%).

1.2 Finish (Symmetrie und Politur)

Bei der Symmetrie werden allgemein die Form, die Platzierung und Anordnung der verschiedenen Facetten beurteilt. Symmetriemerkmale sind das Resultat schlechten oder unsorgfältigen Schleifens und umfassen beispielsweise

  • eine Abweichung von der Kreisform der Aussenlinie
  • eine exzentrische Tafel oder Kalette
  • eine unsymmetrische Tafel
  • ungleichwertige Facetten
  • und vieles mehr

Die Politurgüte beschreibt den Zustand der Steinoberfläche.

Der Finish (Symmetrie und Politur) ist für den Schliff neben den Proportionen von grosser Bedeutung, denn entscheidend für gute Brillanz, scharfe Bewegungsbrillanz und klare Dispersion ist auch ein guter Finish.

1.3 Zusammenspiel von Proportionen und Finish (Symmetrie und Politur)

Weist ein Brillant ideale Proportionen, sehr gute Symmetrie und Politurgüte auf, wird das Optimum an Brillanz, Feuer und Bewegungsbrillanz erreicht.

Die verschiedenen Kriterien des Schliffs sind wichtig – ebenso wichtig ist es letztendlich aber auch, sich vom Schliff angesprochen zu fühlen. Ob ein Schliff gefällt ist immer auch eine Frage des persönlichen Geschmackes und nicht nur von Zahlen abhängig.

2. Schliff im weiteren Sinn

Der Begriff Schliff ist - nicht im eng gefassten edelsteinkundlichen, sondern im weiter gefassten Sinn - der Überbegriff für

  • die Schlifform (englische Entsprechung „shape“)
  • die Schliffart (englische Entsprechung „cutting style“)
.

Die Schlifform („shape“) bezeichnet die Querschnittsform eines geschliffenen Steines: rund, oval, achteckig, tropfenförmig, navettenförmig etc.

Bei der Schliffart („cutting style“) kann man unterscheiden zwischen

  • Glattschliff
  • Brillantschliff
  • Treppenschliff
  • gemischtem Schliff (einer Kombination aus Treppen- und Brillantschliff).

Der Glattschliff ist eine Schliffart mit gewölbter Oberfläche und ebener oder leicht gewölbter Unterseite (ein Beispiel dafür ist der Cabochon).

Der Brillantschliff ist die häufigste Schliffart und weist drei-, vier und mehreckige Facetten auf, welche strahlenförmig um den Stein angeordnet sind.

Der Treppenschliff ist eine Schliffart mit länglichen, vierseitigen, parallel zur Rundiste angeordneten Facetten.

Der gemischte Schliff ist eine Schliffart, die sowohl Brillantschliff- als auch Treppenschliff-Facetten aufweist.

Oft werden die Schlifform und die Schliffart im Handel zu einem Begriff zusammengefasst:

  • Als „Smaragdschliff“ wird zum Beispiel ein achteckiger Treppenschliff bezeichnet, der sehr häufig bei Smaragden angewendet wird
  • Als „Standardbrillant“ wird zum Beispiel ein runder Brillantschliff bezeichnet, dessen Anzahl und Anordung der Facetten zusätzlich noch genau definiert ist: total 57 Facetten (mit Kalette 58); davon 32 Facetten und die Tafel oberhalb der Rundiste (d.h. am Oberteil 8 Hauptfacetten, 16 Rundistfacetten, 8 Tafelfacetten, 1 Tafel) und 24 Facetten sowie die Kalette unterhalb der Rundiste (d.h. am Unterteil 8 Hauptfacetten, 16 Rundistfacetten, 1 Kalette). Der Standardbrillant wird im Handel auf Englisch als „full cut“ bezeichnet
  • „Als „single cut“ wird ein runder Brillantschliff mit 18 Facetten bezeichnet
  • Als „old mine cut“ wird ein runder Brillantschliff mit 58 Facetten, d.h. wie beim Standardbrillanten, bezeichnet, der jedoch im Gegensatz zum „Standardbrillanten“ ein hohes Oberteil, eine kleine Tafel und eine grosse Kalette aufweist
  • Der „old European cut“ schliesslich ist das Gleiche wie der „old mine cut“, weist jedoch keine runde, sondern quadrisch-antike Schliffform auf

- S.E.&O. -