Wissenswertes über den Smaragd

Von Peter Isler, Gemmologe FGG / European Gemmologist

Übersicht

Was ist Smaragd?

Kurz: Smaragd ist der grün gefärbte Vertreter des Minerals Beryll.

Smaragd

Ring mit einem zentralen Smaragd, flankiert von Brillanten

Das Mineral Beryll ist aus den Elementen Beryllium, Aluminium, Silizium und Sauerstoff aufgebaut, welche regelmässig in einem Kristallgitter angeordnet sind. Die chemische Formel lautet Be3Al2(Si6O18). Reiner Beryll ist farblos.

Smaragd ist grün gefärbter Beryll, dessen grüne Farbe durch Spuren von Chrom, Vanadium und/oder Eisen entsteht. Diese ersetzen im Kristallgitter von Beryll Plätze, welche sonst von Aluminium besetzt wären. Die Gehalte dieser Spurenelemente sind jedoch so gering, dass die chemische Formel von Beryll auch für Smaragd verwendet wird.

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Wie lautet die genaue Definiton von Smaragd?

Smaragd ist als die grüne Farbvarietät des Minerals Beryll definiert.

Eine weitergehende Definition für Smaragd verlangt auch, dass nur Berylle, welche in erster Linie durch Chrom grün gefärbt sind, als Smaragde bezeichnet werden dürfen. Durch Vanadium oder Eisen grün gefärbte Berylle sollen als Vanadium- bzw. Eisenberylle bezeichnet werden. Ob diese Definition angewendet werden sollte, darüber bestehen aber sogar bei verschiedenen wichtigen Edelsteinautoritäten unterschiedliche Auffassungen.

Eine andere Definition für Smaragd schliesst sehr hellgrün gefärbten Beryll von der Bezeichnung Smaragd aus und bezeichnet diesen als grünen Beryll.

Aus all diesen Erläuterungen geht hervor, dass es keine allgemein übereinstimmende Definition für Smaragd gibt. Der Smaragdliebhaber ist deshalb mit folgender Tatsache konfrontiert: Nicht jeder grüne Beryll wird überall und übereinstimmend als Smaragd bezeichnet.

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Was ist der wichtigste wertbestimmende Faktor bei Smaragden?

Farbedelsteine leben in erster Linie von der Schönheit ihrer Farbe. Der wichtigste wertbestimmende Faktor von Farbedelsteinen, d.h. auch von Smaragden, ist deshalb deren Farbe. Je besser die Farbe von Farbedelsteinen ist, desto unwichtiger werden im Vergleich dazu die anderen preisbildenden Faktoren wie Reinheit, Gewicht und Schliff. Umgekehrt gilt, dass die Faktoren Reinheit, Gewicht und Schliff umso mehr wertbestimmend werden, je schlechter die Farbe ist.

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Wie kann die grüne Farbe von Smaragden beschrieben werden?

Das Grün von Smaragden mit hoher Farbqualität ist derart einmalig, dass sich dafür sogar ein eigenständiger Farbname entwickelt hat: das sogenannte Smaragdgrün.

Wie muss man sich dieses Grün nun vorstellen? Oft wird es als ein frisches, junges Grasgrün beschrieben.

Eine präzisere Möglichkeit, die Farbe von Smaragden zu beschreiben ist es, diese in die Faktoren Farbton, Helligkeit / Dunkelheit und Farbreinheit zu unterteilen:

  • Der Farbton von farblich hochwertigen Smaragden liegt möglichst nahe bei einem reinen spektralen Grün, wie man es beispielsweise im Farbverlauf eines Regenbogens sehen kann, eventuell noch mit einen minimalen Hauch ins Gelbliche oder ins Bläuliche.
  • Die Helligkeit / Dunkelheit eines Farbtons kann Abstufungen von praktisch farblos, sehr hell über mittel bis sehr dunkel und praktisch schwarz umfassen. Verbreitet ist die Ansicht, dass der Helligkeit / Dunkelheit bei Smaragden von hoher Farbqualität ca. im mittleren bis mittel-dunklen Bereich liegen sollte.
  • Die Farbreinheit muss bei Smaragden von hoher Farbqualität zudem möglichst hoch sein, das heisst das Grün darf nicht bzw. möglichst wenig durch gräuliche oder bräunliche Schattierungen maskiert werden.
Smaragd

Smaragd von schöner Farbe.
Es ist zu beachten, dass das Grün des abgebildeten Smaragds durch die Wiedergabe am Monitor bzw. beim Ausdruck eventuell verfälscht dargestellt werden kann.

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Gibt es das Mineral Beryll noch in anderen Farben als grün?

Reiner Beryll ist farblos. Neben Samargd, der grünen Farbvarietät von Beryll, gibt es noch andere Farbvarietäten, deren Farben auch durch farbgebende Spurenelemente erzeugt werden.

Die blaue bis hellbaue Varietät heisst Aquamarin, die rosafarbene heisst Morganit und die gelb-goldene heisst Heliodor.

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Wie sieht das Innere von Smaragd aus?

Normalerweise haben die meisten Smaragde Einschlüsse. Es handelt sich am häufigsten um eingeschlossene Flüssigkeiten und um winzige Frakturen (Fissuren, Risschen), welche den Smaragd teilweise bis an dessen Oberfläche durchziehen, aber auch um eingeschlossene Kristalle. Flüssige Einschlüsse sind entweder einphasig (d.h. nur aus einer Flüssigkeit bestehend), zweiphasig (d.h. aus einer Flüssigkeit und Gasblase oder zwei nicht mischbaren Flüssigkeiten bestehend) oder dreiphasig (d.h. aus einer Flüssigkeit, einer Gasblase und einer festen Kristallphase bestehend).

Smaragde sind auch als diejenigen Edelsteine bekannt, die im Vergleich zu anderen Edelsteinen in der Regel mehr Einschlüsse aufweisen. Einschlüsse werden daher bei Smaragd auch bis zu einem gewissen Ausmass  toleriert, besonders solange sie die Farbe und/oder Transparenz nur unwesentlich beeinträchtigen. Diese Toleranz gegenüber Einschlüssen ist natürlich umso grösser, je besser die Farbe des Smaragds ist.

Smaragd gehört auch zu den wenigen Edelsteinen, welche aufgrund der Häufigkeit ihrer Einschlüsse für diese Einschlussbilder eine eigene Bezeichnung erhalten haben. So wird bei Einschlussbildern von Smaragd nämlich oft romantisierend von jardin (französisches Wort für Garten) gesprochen.

Die Einschlüsse des Smaragdes können oft auch herangezogen werden, um dessen Herkunft zu identifizieren. Dieser Herkunftsnachweis kann in bestimmten Fällen sogar den Wert des Smaragdes steigern, beispielsweise dann, wenn anhand der Einschlüsse nachgewiesen werden kann, dass ein hochwertiger Smaragd z.B. aus Kolumbien stammt. Der typische Einschluss, welcher den kolumbianischen Smaragd verrät, ist der sogenannte Dreiphaseneinschluss. Dieser besteht aus einem flüssigkeitsgefüllten Hohlraum mit einem kleinem Kristall und einer kleiner Gasblase, und weist eine charakteristisch gezackte Kontur auf.

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Wie entsteht Smaragd?

Das Element Beryllium ist ein fester Bestandteil des Kristallgitters von Beryll. Beryllium kommt in der Erdkruste aber sehr selten vor. Damit sich Beryll überhaupt bilden kann, ist daher zunächst die starke Anreicherung von Beryllium in der Erdkruste notwendig. Diese Anreicherung liegt in magmatischen Restschmelzen oder Restlösungen (hydrothermalen Lösungen) vor, nachdem bereits der grösste Teil der Gesteinsschmelzen bei höheren Temperaturen ohne den Einbau von Beryllium auskristallisiert ist.

Für die Bildung von Smaragd muss aber zusätzlich auch das farbgebende Spurenelement Chrom vorhanden sein. Beryllium einerseits und Chrom andererseits passen jedoch geochemisch überhaupt nicht zusammen und kommen daher in ganz unterschiedlichen Teilen der Erdkruste vor. Über tektonische Prozesse  können sie trotzdem in seltenen Fällen in unmittelbare Nähe voneinander gelangen, wodurch die Möglichkeit zur Bildung von Smaragd (in sogenannten kontaktmetamorphen Prozessen) gegeben ist.

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Wie teuer ist Smaragd?

In Topqualitäten ist Smaragd einer der teuersten Edelsteine überhaupt.

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Wird Smaragd auch imitiert?

Besonders bei wertvollen Edelsteinen ist die Versuchung schon immer gross gewesen, diese zu imitieren.

Eine Imitation täuscht vor, ein bestimmter Edelstein zu sein. Eine Imitation ist aber chemisch, physikalisch und auch optisch immer etwas ganz anderes als der Edelstein, welchen man zu imitieren versucht.

Bei der häufigsten Imitation für Smaragd handelt es sich um grün gefärbtes Glas. Daneben sind aber auch sogenannte Dubletten und Tripletten im Umlauf, d.h. aus zwei oder drei Schichten zusammengesetzte Imitationen aus unterschiedlichen echten Schmucksteinen, Glas oder Quarz, welche durch (teilweise grün gefärbten) Klebstoff zusammengehalten werden.

Weil Smaragde ohne Einschlüsse derart selten sind, sollte einem grünen einschlussfreien Stein immer mit Misstrauen begegnet werden. Es könnte sich auch um irgendeine mehr oder weniger trickreiche Smaragd-Imitation handeln!

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Wird Smaragd auch synthetisch, d.h. im Labor hergestellt?

Als Synthesen werden im Labor gezüchtete Kristalle bezeichnet, die sowohl chemisch, wie auch physikalisch und optisch ihren natürlichen Edelstein-Vorbildern exakt entsprechen, aber eben nicht natürlichen Ursprungs sind.

Die ersten synthetisch hergestellten Smaragde datieren zurück ins Jahr 1935 und wurden von der I.G. Farben in Bitterfeld hergestellt. Seither wurden viele unterschiedliche Kristallzüchtungsverfahren entwickelt, und es werden immer bessere, d.h. dem natürlichen Vorbild gleichende Synthesen hergestellt. Bis jetzt ist es jedoch aufgrund der typischen Einschlussbilder möglich, die natürlichen von den synthetischen Smaragden zu unterscheiden.

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Können Smaragde farblich verbessert werden?

Eine allgemein akzeptierte und sehr weit verbreitete Handelspraxis besteht darin, Smaragde zu ölen. Dabei werden Frakturen im Smaragd, welche bis an die Oberfläche des Steines reichen, mit farblosem Öl gefüllt, um deren Sichtbarkeit  abzuschwächen und dadurch die Reinheit des Steines zu verbessern. Ein sehr hoher Prozentsatz der heute in den Handel gelangenden Smaragde wird dieser Behandlung unterzogen.

Nicht akzeptiert ist jedoch die Füllung der Frakturen mit Öl, welches grün gefärbt ist und dadurch nicht nur die Reinheit des behandelten Steines verbessert, sondern auch dessen Farbe. Diese Praxis muss vom Verkäufer auf jeden Fall deklariert werden.

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Wie sollte Smaragd gepflegt werden?

Aufgrund der oft vorhandenen Frakturen tendiert der Smaragd dazu, spröde und zerbrechlich zu sein. Er verlangt deshalb immer spezielle Sorgfalt beim Tragen und sollte insbesondere keinen harten Schlägen ausgesetzt werden. Smaragd sollte deshalb vor Aktivitäten wie Abwaschen, Gartenarbeit, Sport etc. immer abgelegt werden.

Aufgrund der weitverbreiteten Gewohnheit, Smaragde zur Farbverbesserung mit Ölen und Wachsen zu behandeln, darf Smaragd auch nie mit Ultraschall gereinigt und hohen Temperaturen ausgesetzt werden.

Zur Reinigung von Smaragd benützt man am besten ein lauwarmes, feuchtes Tuch. Eine Reinigung mit fliessendem Wasser, mit oder ohne Zusatz von Reingungsmitteln, ist zu vermeiden.

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Wie wird Smaragd geschliffen?

Für den Smaragd wurde ein spezieller Schliff entwickelt. Es handelt sich dabei um einen quadratischen oder rechteckigen Treppenschliff, welcher die Schönheit dieses Edelsteines gut zur Geltung bringt und welcher den etwas spröden Edelstein durch seine zusätzlich abgeschrägten Ecken gut schützt.

Dieser Schliff wird bei Smaragden so häufig angewendet und ist so beliebt, dass man allgemein nur vom Smaragdschliff spricht, selbst dann, wenn andere Edelsteine so geschliffen werden.

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Wissenswertes aus der Geschichte von Smaragd

Der Ursprung des Wortes Smaragd ist wahrscheinlich im griechischen Wort „smaragdos“ zu suchen.

Der Smaragdabau blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im 13. Jahrhundert vor Christus wurde in Ägypten nachweisbar Smaragd abgebaut. Die ägyptischen Smaragdminen belieferten die damalige antike Welt über den Zeitraum von mehr als tausend Jahren mit den wertvollen Edelsteinen.

Mit der Eroberung Südamerikas durch die Spanier wurde bekannt, dass auch in Südamerika zwischen den dortigen Hochkulturen bereits Handel mit Smaragden betrieben wurde. Aber erst Ende  16. Jahrhundert entdeckten und erbeuteten die Spanier in Kolumbien die bedeutendste Quelle dieser südamerikanischen Smaragde, die Smaragdmine Muzo. Mit der Erbeutung dieser Mine wurde der europäische Handel unabhängig von den ägyptischen Vorkommen. Grosse Mengen an Smaragden wurden seitdem nach Europa verschifft, um mit den hoch begehrten  Edelsteinen diverse Königshäuser und Juweliere zu beliefern.

Bis ins 20. Jahrhundert blieb Kolumbien der Hauptlieferant hochwertiger Smaragde. Heute jedoch ist Brasilien der grösste Lieferant an Smaragden. Die durchschnittliche Qualität der brasilianischen Smaragde kann aber nicht mit derjenigen der kolumbianischen Smaragde verglichen werden. Die Vorkommen in Brasilien wurden übrigens erst in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts entdeckt.

Neben den kolumbianischen und brasilianischen Smaragd-Vorkommen sind heute auch noch diverse andere Vorkommen von Bedeutung, wie beispielsweise die afrikanischen Vorkommen in Simbabwe und Sambia.

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- S.E.&O. -


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